Nachhaltigkeit!

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12. Juli 2022
Awarenesskonzept, gebärdensprachverdolmetschtes Konzert, Ökobilanz und vieles mehr: Die Musikfestwochen lancieren zahlreiche Nachhaltigkeitsprojekte.
Die News in Kürze:

 

EINLEITUNG
Nachhaltigkeit ist ein Prozess, der bei den Musikfestwochen bereits seit einigen Jahren andauert. Mit früh eingeführten Massnahmen wie etwa der Umstellung auf Mehrweggeschirr und -besteck oder dem Buchen von Bands, die sowieso auf Tour sind, war man in Winterthur stets bemüht, eine Vorreiter:innenrolle einzunehmen. Diese Bemühungen werden an der diesjährigen Festivalausgabe umfassend ausgebaut. Grundlage dafür ist unsere Nachhaltigkeitsvision.

Bis anhin lag der Fokus auf der ökologischen Nachhaltigkeit. Um diesen Bereich genau zu durchleuchten und Schwachstellen auszumachen, haben wir unseren CO2-Fussabdruck anhand einer umfassenden Ökobilanzierung berechnet. Daraus werden nun Massnahmen abgeleitet, etwa Anreize für eine klimafreundlichere Anreise oder ausgebaute CO2-Kompensation.

Nachhaltigkeit ist aber mehr als das. In Zukunft möchten wir alle Dimensionen – Ökologie, Soziales und Wirtschaft – gleichermassen ernst nehmen. Das zeigt sich auch in den Handlungsfeldern, die an dieser Festivalausgabe neu angegangen werden. Nachfolgend ein Überblick dazu, was wir alles machen.

 

INKLUSION
Worum geht’s? Wenn wir von der Zugänglichkeit unseres Festivals sprechen, bemerken wir immer wieder, wie privilegiert wir sind. Da wir ein Festival für alle sein wollen, möchten wir bestehende Hürden minimieren. Zum Beispiel mit einem vollständig rollstuhlgängigen Gelände, einem barrierefreien WC oder einer Rollstuhl-Tribüne.

Was ist neu? Zum ersten Mal werden wir ein Konzert in Gebärdensprache verdolmetschen. Denn nicht alle hören die Musik. Für Gehörlose macht ein:e Dolmetscher:in ein Konzert also erst greifbar. Mit besonders viel Stolz und Vorfreude dürfen wir verkünden, dass die heiss ersehnte Show von Phenomden & The Scrucialists gebärdensprachverdolmetscht wird – am 17. August um 20:15 Uhr auf der Steinberggasse.

Ausserdem werden kleine bauliche Anpassungen auf dem Gelände für Personen mit eingeschränkter Mobilität vorgenommen. Der Verein Sensability hat das MFW-Team in einem Workshop auf die Bedürfnisse von Menschen mit einer  Behinderung sensibilisiert und wird im August eine Beurteilung des Geländes vornehmen. Daraus werden weitere Massnahmen für die nächste Festivalausgabe abgeleitet.

Reicht nicht! Wir haben keine Personen mit Behinderungen im Team und kennen darum die Perspektive von Betroffenen nicht. Nur sie können beurteilen, ob das, was wir tun, tatsächlich etwas bringt. Die vielen Wissens- und Verständnislücken müssen wir mit zusätzlicher Expertise vermindern. Und: Ein einziges Konzert für Gehörlose macht noch keinen Unterschied. Hier müssen wir die Finanzierung sichern, um mehr zu ermöglichen.

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AWARENESSKONZEPT

Worum geht’s? Wir wollen ein Festival sein, an dem sich alle akzeptiert, sicher und wohl fühlen. In einer Studie von «Züri schaut hin» haben gut 70 Prozent der unter 36-Jährigen angegeben, an einem Festival bereits einmal einen Übergriff erlebt zu haben. Die Zahlen zeigen also, dass grenzüberschreitendes Verhalten sehr oft pas­siert – insbesondere an Festivals, wo viele Men­schen eng beisammen sind. Das Festivalgelände der Musikfestwochen soll diskriminierungsfrei und sicher sein.

Was ist neu? Wir haben in Zusammenarbeit mit dem Salzhaus und externen Expert:innen ein Awarenesskonzept erstellt. Die Massnahmen in Kürze:

  • Auf dem Festivalgelände patrouillieren jeden Abend Awareness-Teams. Sie sind Ansprechpersonen für Besucher:innen, die von einer Grenzüberschreitung betroffen sind oder etwas beobachtet haben.
  • Treffpunkt und Safer Space: Am Info Point wird permanent jemand aus dem Awareness-Team zugegen sein, als stationärer Anlaufpunkt. Ausserhalb des Festivalgeländes wird ein Raum eingerichtet, wo Betroffene sich dem Trubel entziehen und mit dem Awarenessteam in Ruhe weitere Schritte besprechen können.
  • Eine eigens eingerichtete Telefonnummer dient als Kontaktmöglichkeit in unangenehmen Situationen. Über diese sowie über einen digitalen Briefkasten kann das Musikfestwochen-Team auch im Nachhinein über Vorfälle informiert werden.
  • Mit einer Kommunikationskampagne werden die Besucher:innen auf dem Gelände über das Projekt, die verschiedenen Massnahmen und die Nulltoleranz-Haltung der Musikfestwochen zu Diskriminierung informiert.

Reicht nicht! Die Schaffung des Awarenesskonzepts ist ein erster Schritt. Wichtig wird aber sein, sich im Nachgang des Festivals mit den vorgefallenen Situationen auseinanderzusetzen und unsere Massnahmen noch besser auf die Bedürfnisse zuzuschneiden.

Mehr dazu gibt’s hier

 

ÖKOBILANZ
Lotta Widmer verantwortet im Musikfestwochenbüro die Themen für Partnerschaften, Events und neu auch Nachhaltigkeit. Sie wollte es genau wissen und hat anhand der Daten des Festivaljahrs 2019 ausgerechnet, wie viele CO2-Emissionen wir verursacht haben. Sprich, eine Ökobilanzierung erstellt. Alle Zahlen und Fakten gibt’s hier.

Oben dargestellt ist eine Gesamtübersicht. Erste Konsequenzen aus der Bilanzierung: Die Themen Gastronomie (ca. 65 Prozent) und Energie (ca. 25 Prozent) brauchen dringend Reformen.

MOBILITÄT UND GASTRONOMIE
Worum geht’s? Die Mobilität und die Gastronomie machen zusammen fast 90 Prozent unserer Emissionen aus, das zeigt unsere Ökobilanz. Die Reisen der Künstler:innen fallen besonders ins Gewicht, Flugreisen sind am schädlichsten. Auch das Angebot von Fleisch ist emissionsreich.

Was ist neu? Um einen Anreiz für eine umweltfreundliche Anreise zu setzen, bieten wir den Bands an, dass wir 50 % der Reisekosten per Zug übernehmen, sofern sie dafür auf das Flugzeug oder Auto verzichten. In der Gastronomie kommen mehr fleischlose Gerichte auf die Karte und die Teller unserer Helfer:innen – und im Herbst werden wir das Gastronomiekonzept überarbeiten.

Reicht nicht! Netter Tropfen auf den superheissen Stein, MFW. Bravo. Die Mobilität ist unser grösster Sündenbock und wichtigster Ansatzpunkt – wir müssen bessere Lösungen finden. Und auch in Sachen Verpflegung ist der Fall eigentlich klar.

Die umfassende Ökobilanz gibt’s hier – mit sämtlichen Werten, Kennzahlen und Erläuterungen.

 

DIVERSITÄT
Worum geht’s? Wie divers ist das Festivalteam? Wer steht auf unseren Bühnen? Diversitätskriterien wie Gender, sexuelle Orientierung, Herkunft, Privilegien, Einkommen etc. werden in der Festivalbranche heiss diskutiert. Zu Recht, finden wir. Für besonders viel mediales Aufsehen sorgte diesen Frühsommer das Thema Frauenquote. Wobei FINTA-Quote das bessere Stichwort wäre.

Die Quote an Acts mit massgeblicher weiblicher Beteiligung (die branchenübliche Zählweise) im Programm der Musikfestwochen liegt bei 53 %. Noch nicht eingerechnet sind Strassenmusik und Band-It. Gemäss einem Festivalvergleich des St. Galler Tagblatts ist das der zweithöchste Wert in der Schweiz.

Reicht nicht! Die gesamte Kulturbranche ist klar von Männern dominiert. Leider sieht es bei uns ähnlich aus. Und zwar überall: im Büroteam, im OK, im Vorstand. Wir berechnen unsere Bühnen-Frauenquote, ohne zu wissen, welches Geschlecht weiblich gelesene Künstler:innen für sich definieren. Wir zählen auch nicht die effektive Anzahl Künstlerinnen auf den Bühnen, sondern holen bereits Prozentpunkte, wenn in einer Band mindestens eine weibliche Person eine prägende Rolle hat. Wir sind uns dieser Dinge zwar bewusst, stehen aber trotzdem noch lange nicht dort, wo wir könnten.

Hintergründe und Kritik

 

KOMMUNIKATION
Mit unserer Nachhaltigkeitskommunikation möchten wir intern wie auch extern sensibilisieren. Unter musikfestwochen.ch/nachhaltigkeit gibt’s neu umfassende Informationen darüber, was wir im Nachhaltigkeitsbereich alles machen.

PARTIZIPATION
Es gibt diverse Möglichkeiten, bei den Musikfestwochen mitzureden und mitzuwirken. Welche das sind, erfährst du hier: musikfestwochen.ch/partizipation/

TRANSPARENZ
Transparenz ist gut. Wie wir uns finanzieren (und welche Klischees nicht stimmen), und wer bei den Musikfestwochen wie viel Lohn erhält – alles online ersichtlich. Genauso wie unsere Jahresberichte.

UNSERE EMPFEHLUNGEN
Wir haben dir ein paar Empfehlungen zusammengestellt, schau mal hier.

AM PRANGER
Unsere Bemühungen sind schön und gut. Reichen aber überhaupt nicht! Wo wir überall scheitern, ist uns zum Glück mehrheitlich bewusst. Hier reden wir darüber.

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